VORSICHT! Hier kommt das Gemein-Schaf!


Die Schafe sind los!

 

Gestern – oder war es doch vorgestern? – saß ich in der Straßenbahn. Das wäre an sich noch nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht plötzlich gegenüber vor mir ein Schaf gestanden, etwas pummelig ob des dicken Schaffells, mittleren Alters und mit abstehenden Ohren.

 

„Halt!“ Denken Sie ganz richtig. „Irgendetwas stimmt hier nicht! Schenken Sie dieser Autorin auf gar keinen Fall Ihr Vertrauen!“

 

Und tatsächlich, ich muss Ihnen recht geben. Auch mich machte es stutzig. Ein Schaf mit dickem Schaffell und das im Frühsommer – so etwas kann es nicht geben! Wie doch schon jedes Kind weiß, trägt man im Sommer leichte Kleidung, auch die Schafe tragen luftigen Sommerpelz. Und doch war es haargenau so, wie ich es geschildert hatte. Gegenüber von mir hatte mittlerweile ein Schaf mit dickem Fell Platz genommen. Mindestens so seltsam wie sein dichter, wolliger Pelz waren die zwei kleinen Hörnchen, die das sonst zierliche Haupt schmückten und der nach Schwefel riechende Atem, den man in der gesamten Straßenbahn wahrnehmen konnte. Ich war mittlerweile zugegebenermaßen sehr neugierig geworden und grüßte das Schaf mit den Worten: „Guten Tag, gnädiges Schaf, schön, Sie hier anzutreffen.“ Das Schaf schnaubte laut und antwortete dann mit aufgesetzt freundlicher Miene: „Ich bitte Sie höflich, mich nicht zu stören.“ Im selben Atemzug entnahm das Schaf dem Köfferchen, das es bei sich trug, einen kleinen Zettel, den es unzählige Male zusammenzufalten begann. Dies tat es mit höchster Konzentration.

Als es unter großer Anstrengung – die Hufe waren bei dieser feinmotorischen Fertigkeit nicht gerade behilflich – sein Vorhaben beendet hatte, holte es immer noch sehr ernst eine Astgabelung mit einem Gummizug aus dem Köfferchen. Den gefalteten Zettel schnitt es mit einer Schere in kleine Stücke, die es so zusammenbog, dass eine Rundung entstand.

 

Und plötzlich änderte sich die Stimmung. In kürzester Zeit hatte das Schaf das Stückchen Papier in den Gummizug eingespannt, zielte und traf einen jungen Burschen auf den linken Schuh. „Autsch“, rief dieser laut und blickte erbost in die entgegengesetzte Richtung, um den Übeltäter zu finden. Das Schaf begann so kräftig zu lachen, dass es in der gesamten Straßenbahn schallte. „Getroffen“, rief es unter Tränen und strampelte mit den Hinterbeinchen, die kaum bis zum Boden reichten.

 

Ich konnte den weiteren Ausgang der Geschichte nicht weiter beobachten, denn ich musste bereits aussteigen. Dies war jedoch nur der Beginn einer ganzen Serie an Vorfällen mit Schafen, die sich in den nächsten Monaten durch auffälliges Verhalten in mein Gedächtnis einprägten. Wie ich bald erfuhr, handelte es sich bei dem damaligen Schaf um das GEMEINGEFÄHRLICHE GEMEINSCHAF, das an Österreichs öffentlichen Plätzen sein Unwesen treibt. Welche Schafe mir noch begegneten, bleibt hier noch unerwähnt. Eines sei jedoch vorausgeschickt: DIE SCHAFE SIND LOS. Und zwar gewaltig. Wohl dem, der sich durch entsprechende Lektüre vor ihnen zu schützen vermag.